23. April 2018

Antisemitismus. Nein! Doch! Oh!

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Ja, in der letzten Woche kam er mal wieder ganz überraschend vorbei: Antisemitismus vulgaris. In Gestalt eines Auftritts in Berlin, wo ein syrischer Flüchtling (neudeutsch "Geflüchteter") meinte einem Mitbürger, den er fälschlicherweise aufgrund seiner Kippa für einen Juden hielt, seinen Gürtel und dessen Eigenschaften als Nahkampfwaffe zu demonstrieren. Um erst gar kein Mißverständis entstehen zu lassen aus welchem Grund es zu dieser Demonstration kam, rief er während seiner Vorführung auch permanent das Wort Yahudi, was wohl auf arabisch Jude bedeutet und auf Berliner Straßen inzwischen recht häufig als Beleidigung verwendet wird.

19. April 2018

Die Quote und die FDP

­Die Quote ist heute ein gesellschaftlich weithin akzeptiertes Instrument, um definierten Gruppen Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe im weitesten Sinne zu gewähren. Als Begründung für das Instrument der Quote dient gerne, dass die jeweilige Gruppe ohne die Quote benachteiligt würde. Die Benachteiligung wird dabei an der Asymmetrie im Hinblick auf die Teilhabe der jeweiligen Gruppe im Vergleich zu ihrem Reziprok festgemacht.

Ob diese Begründung stimmt, soll nicht das Thema dieses Beitrags sein. Einen Einwand zu ihr möchte ich jedoch formulieren: Asymmetrie entsteht nicht notwendig durch äußeren Druck, sondern auch durch freie Entscheidung. Das erscheint mir zumindest kein unerheblicher Einwand zu sein, in einer Gesellschaft mit liberal verfassten Rechtsstaat, inklusive dezidiertem Minderheitenschutz.

Ich möchte hier zunächst meine grundsätzlichen Einwände gegen das Instrument der Quote aus einer liberalen Warte heraus formulieren:

18. April 2018

TESS

In Anknüpfung an das Experiment, das vor zwei Monaten (zwei Monate! es kommt dem Protokollanten wesentlich kürzer vor) auf diesem Netztagebuch unternommen wurde - nämlich die Videoeinbindung des Erststarts der bislang größten von einer Privatfirma produzierten Rakete, der Falcon Heavy, sei auch für diese Nacht eine Live-Übertragung versucht. Diesmal geht es um den Start von TESS, dem "Transiting Exoplanet Survey Satellite", der in dieser Nacht, um 0 Uhr 51 (MESZ) an der Spitze einer Falcon 9 von der Startrampe 40 in Cape Canaveral in die Umlaufbahn geschossen werden soll, nachdem der ursprünglich für vorgestern terminierte Countdown zwei Stunden vor dem Zeitpunkt "0" zum Zweck weiterer Sicherheitsüberprüfungen abgebrochen worden war. Wie am Montag beträgt das Startfenster diesmal 30 Sekunden. 48 Minuten nach dem Abheben soll der Satellit in seine ausgesprochen elliptische Umlaufbahn einschwenken. Die Startstufe soll nach dem "Rücksturz zur Erde", also nach gut 8 Minuten, auf der vor der Küste Floridas im Atlantis stationierten Roboterplattform Of Course I Still Love You aufsetzen. Aufmerksame Beobachter werden sich erinnern, daß zwei der vier Propellergondeln der schwimmenden Landungsplattform beim Erststart der Falcon Heavy im Februar beschädigt worden waren, als der mittlere der drei Erststufenbooster, der Center Core, beim (fast) ungebremsten Aufschlag auf die Meeresoberfläche (nur zwei der neun vorgesehenen Merlin-Triebwerke hatten gezündet) gut in 100m Entfernung explodierte. Sie sind währenddessen durch zwei der im Pazifik vor dem Startplatz der AFB (Air Force Base) Vandenberg Dienst tuenden Just Read the Instructions ersetzt worden. (Darin  liegt auch der Grund, warum bei den seit erfolgten Falcon 9-Starts keine weichen Landungen mehr erfolgten.) (Seit Februar 2018 befindet sich ein drittes Roboterschiff im Bau, das als weitere Landeplattform bei zukünftigen Starts der Falcon Heavy zum Einsatz kommen soll, unter den Namen A Shortfall of Gravitas. Wie die leicht exzentrischen Namen der Schwesterschiffe handelt es sich dabei um einem Raumschiffnamen aus Iain M. Banks SF-Roman The Player von Games (dt. unter dem Titel Das Spiel Azad erschienen) von 1988; dem zweiten des "Culture"-Zyklus).



(Wie üblich bei den Übertragungen der Starts von SpaceX ist zu erwarten, daß die Übertragung erst gut zehn Minuten vor dem Ende des Countdowns "live geschaltet" wird - bis dahin bitte ich jeden, der sich zu diesem Zweck hierhin verirren sollte, um Geduld. Nach Abschluß des Starts - und hier klopft der Prokollant hart auf Holz - wird der oben eingebundene Videofeed durch eine Aufzeichnung des Starts ersetzt werden. Nachtrag: 09:40: das obige Video ist jetzt eine neun-minütige Aufzeichnung des des Starts,)

Die letzte Statusmeldung auf der Nachrichtenseite spaceflight.now lautet momentan:

Updated: 04/18/2018 21:51 Stephen Clark
T-minus 3 hours and counting. NASA and SpaceX launch team members are gathering in preparation for final countdown activities, which will include fueling of the Falcon 9 rocket with kerosene and liquid oxygen propellants.
The launch team will oversee loading of high-pressure helium into the rocket, then give the "go" to pump RP-1 kerosene into the Falcon 9 at 5:41 p.m. EDT (2141 GMT). Super-cold liquid oxygen will begin flowing into the two-stage rocket at 6:16 p.m. EDT (2216 GMT).
Zusätzlich zum oben eingebundenen Videostream von SpaceX kann der Start über den Übertragungskanal der amerikanischen Weltraumbehörde NASA verfolgt werden oder über die Netzseite von SpaceX.

17. April 2018

Ausgerechnet Westernhagen

­Normalerweise sollte das Thema keine zwei Artikel in einer Woche wert sein. Aber die deutsche, kulturelle, sich selbst empfindende Intelligenz, ist wie die Justiz, ihre Mühlen mahlen langsam und sie muss erst einmal so richtig wachwerden.

Diese Woche aktuelles Thema: Echo zurückgeben. So haben inzwischen einige Künstler verschiedener Coleur angekündigt ihre jeweiligen Echos nun zurückgeben zu wollen. Nun, das ist sicher ihr gutes Recht. Wobei ich gerne zugebe, dass mich das als Einzeltat wesentlich mehr überzeugt als das genau dann anzukündigen, wenn es diverse andere auch tun. Es gehört nicht viel Mut dazu etwas aus einer Gruppe heraus zu tun, aber sei es drum.
Traurig dagegen ist eher wer und mit welchen Methoden nun plötzlich seiner Empörung Ausdruck verleiht.

15. April 2018

Kontrapunkt: Ein Echo vom Echo

Auch dieses Jahr nutzt die Musikbranche mal wieder die Gelegenheit und feiert sich selber, das Ergebnis nennt sich Echo und wiederholt sich jedes Jahr aufs neue. Und weil das an und für sich ziemlich langweilig ist, hat man dieses Jahr dann einen großen Eklat gefunden, was sicher sowohl für die Veranstalter als auch für die Musiker nicht unbedingt das schlechteste ist.
Und der Eklat ist: Antisemitismus. Den man bei zwei der diesjährigen Favoriten in ihrem Bereich gefunden hat. Und das deutsche Feuilleton hat mal wieder ihre Sau gefunden, um sie erfolgreich durchs Dorf zu treiben. Und es ist ein reichlich dankbares Schweinchen, denn es wird ja niemand so richtig wagen Antisemitismus zu verteidigen, bzw. jeder kann sich mal so richtig profilieren ein Verteidiger "der Juden" zu sein (zumindest so lange diese im dritten Reich ermordet wurden, doch dazu später).

11. April 2018

Weg mit dem Dino

Nein, hier soll es nicht um Fußball gehen. Sondern um das aktuelle BVerfG-Urteil zur Grundsteuer. Nicht überraschend hat das Gericht festgestellt, daß die nach uralten Kriterien berechnete Steuereintreibung grundgesetzwidrig war.

Der Grund: Weil eine Überprüfung und Neubewertung aller Grundstücke in Deutschland zu kompliziert und aufwendig ist, haben die Finanzbehörden auf die eigentliche alle sechs Jahre fällige Aktualisierung einfach verzichtet. Und im Jahre 2018 immer noch die Grundstücks- und Gebäudewerte sowie die Einwohnerzahlen der Gemeinden aus dem Jahre 1933 (Osten) bzw. 1954 (Westen) für die Berechnung benutzt.

Seit Verkündung des Urteils überschlagen sich nun Politiker aller Parteien mit Vorschlägen, wie man das nun künftig regeln solle. Und dabei werden dann Verfahren vorgeschlagen, die noch komplizierter und aufwendiger sind als das bisherige. Bisher scheint kein Vorschlag aufgetaucht zu sein, der wirklich praktikabel und gerichtsfest sein würde.
Dann sollte man doch lieber mal die logische Alternative wählen: Die Grundsteuer einfach abzuschaffen.

8. April 2018

Levin Schücking, "Swift in Moor-Park" (1840)

Der Sonntag den Künsten!

Und zwar sei der heutige Termin zur Abwechslung einer kleinen literarischen Ausgrabung gewidmet: nicht einer vergessenen Trouvaille (dazu reicht die Qualität des Textes nicht hin), sondern höchstens einer verschollenen Kuriosität, oder, in der Schreibweise jeder Zeit "Curiostität." Zudem ist es als Fortsetzung der kleinen Reihe von Ehrbezeigungen an den größten Satiriker Irlands - und einen der bedeutendsten der gesamten englischen Literaturgeschichte überhaupt - zu sehen: an Jonathan Swift, dessen Geburtstag sich im vergangenen November zum 350. Mal jährte. Diesmal jedoch nicht mit einer neuen Übersetzung eines seiner Gedichte, sondern mit einem erzählenden Text, der sich einem wichtigen und prägenden Abschnitt seiner Biographie widmet, wenn auch in stark romantisierender und frei fabulierender (und auch, wo er sich an die historischen Tatsachen hält, nicht immer faktengetreuer) Weise: einem von zwei "Fragmenten eines Romans" (so der Untertitel), den Levin Schücking, zu Beginn seiner Laufbahn als Schriftsteller, 1840 in der damals verbreitesten und auflagenstärksten (ein Wort, bei dem man sich die ""-Gänsefüßchen hinzudenken sollte; sh. dazu die kurzen Anmerkungen zum Schluß) Literaturzeitschriften, dem in der Cotta'schen Buchhandlung in Stuttgart und Tübingen verlegten "Morgenblatt für gebildete Leser" publiziert hat. "Swift in Moor-Park" erschien dort in Fortsetzungen zwischen Freitag, dem 6. Juni und Freitag, dem 19. Juni 1840. Der Text ist in keiner der Novellensammlungen Schückings aufgenommen und auch sonst seit seinem Erscheinen vor fast 180 Jahren niemals nachgedruckt worden. Die Orthographie entspricht der Vorlage - mit der Ausnahme von Umlauten am Wortanfang von Substantiven, an denen die typographische Convention der in Frakturschrift gesetzten Vorlage eine Aenderung in eine Doppelletter bewirkt hat, die im Fall von Kleinbuchstaben im Original nicht erfolgte. Als Textgrundlage diente das Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek.

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(Erste Seite der Ausgabe des Morgenblatts vom 22. April 1842 mit der ersten Folge der "Judenbuche".)



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"Swift in Moor-Park. Fragmente eines Romans"

          I.
Moor-Park liegt in der Grafschaft Surrey, unweit der Stadt Farnham. Im Jahre 1688 war dieser durch seine geschmackvollen Parkanlagen berühmte Landsitz das Eigenthum und die Residenz des Ritters William Temple, eines Mannes, den damals England den Weisesten seiner Staatsmänner und Schriftsteller nannte. Er hatte den beiden Stuarts der Restauration als Rath und Gesandter gedient, und trotz seines Mangels an Bereitwilligkeit, den Launen dieser unklugen Regenten seine Überzeugungen und Ansichten über ihre politischen Maßregeln zu opfern, ihnen eine Achtung abgerungen, die kaum die Werkzeuge ihres Despotismus, die Männer der berüchtigten Cabal, besaßen. Aber der Hof war durch diese und das Beispiel von oben während der Regierung Karls II. und Jakobs II in eine Verderbtheit gerathen, und hatte sich zu Schritten verleiten lassen. welche den, alle Zweizüngigkeit hassenden Diplomaten mehr als einmal veranlaßten, sich vor allen Staatsangelegenheiten auf seine Güter zu flüchten, um friedlich seine Gärten zu bauen und die Erfahrungen seines Lebens in Denkschriften der Nachwelt aufzuzeichnen.

Sir William Temple hatte viel erfahren; er hatte die stürmische Periode der englischen Revolution erlebt, er hatte Cromwell und Monk, die Stuarts und endlich Wilhelm von Oranien über sein Vaterland herrschen, es unter dem Beile der Fanatismus und der empörenden Mißhandlungen leichtsinniger Willkür bluten sehen. Er war der Zeitgenosse Richelieus und Ludwigs XIV., hatte die Stürme des dreißigjährigen Kriegs und den Glanz der Sonne von Versailles erlebt, selbst den Frieden von Aachen vermittelt und auf dem Kongreß von Nymwegen England als Mediateur vertreten; er war ein Freund des Großpensionärs Johann de Witt und des Prinzen von Oranien geworden, und hatte für des lezteren Vermählung mit der englischen Maria gewirkt; kurz, das ganze siebzehnte Jahrhundert mit der Menge seiner glänzenden und nichtigen, großen und blutigen Erscheinungen war an dem diplomatischen Auge des alten Sir William Temple vorübergezogen. Er hatte einer jeden dieser Erscheinungen ihren Tribut an dem Schatz seiner Erfahrungen abgefordert, und in solchem Besitz konnte er mit Recht sagen, zum Reichtum fehle ihm nichts als Geld, konnte er zufrieden und ohne weiteren Ehrgeiz alle Aufforderungen von sich weisen, die ihn aus der Ruhe seiner Zurückgezogenheit ziehen wollten, um ihn als Minister auf die Stufen eines Thrones zu stellen, den ein wankelmüthiger Herrscher wie Jakob II. in bedenklichem Schwanken zu halten sich angelegen seyn ließ. Auf einem flachen Haupte sitze ein Hut fest, sagte Sir William, auch wenn es ein schwerer goldener sey. Als durch die Revolution von 1688 Wilhelm von Oranien auf den englischen Thron gelangte, war er vom Alter zu gebeugt und an seine Muße zu gewohnt, um dem ehrenvollen Ruf an den Hof dieses Fürsten nachkommen zu mögen.

7. April 2018

Prankenhieb: Post-Fakten

Gewisse Phänomene scheinen unerklärlich. Ich frage mich zum Beispiel, wieso Unternehmen in Deutschland ungefähr 560 Mio pro Jahr in spätpubertierende Jugendliche mit Youtube- oder Instagram-Account reinbuttern, die keinen ganzen Satz sagen können. Oder warum ausgerechnet andere hipseinwollende Spätpubertierende die Bartmode der frühen Taliban kopieren. Ich finde keine Antwort, die sowohl erklärend als auch ontologisch sparsam ist. Entweder ist es halt diesmal doch ein saugutes Gemisch an Chemtrail-Substanzen, das Zuckerberg und Coudenhove-Kalergi da zusammengerührt haben, oder ich muss voll Erstaunen mit den Schultern zucken. 

Manch andere Zeitgenossen verzweifeln geradezu ob der Frage, wie ein Volk, dessen großartige, ein Jahrtausend (minus zwölf) alte, unvergleichliche Kulturleistungen sie sich gegen die archaischen Invasoren zu verteidigen entschlossen haben, zu 87% ihre Stimme an Parteien geben konnte, die den sicheren Volkstod heraufbeschwören. Und mit dieser Frage kann man unterschiedlich umgehen: 

Man kann - wie Klonovsky - sich zynisch abwenden und allfällig geschändete Volksgenossinnen mit kaum verhohlener Häme im Rahmen seiner Möglichkeiten "auf die Konsequenzen ihres sog. Wahlverhaltens hinweisen".

Andere geben sich auch damit nicht zufrieden, dass manchmal auch ist, was nicht sein darf, und es müssen finstere Mächte herbeigerufen werden. 

5. April 2018

Cui Bono oder die Frage nach dem Neuling

­Die Vorgeschichte muss man kaum groß erklären: Es gab einen Anschlag in Großbritannien der dem ehemaligen Agenten Sergej Skripal galt und mit einem vergleichsweise seltenen Nervengift, das unter dem Namen Nowitschok bekannt ist, ausgeführt wurde. Skripal liegt noch immer im Krankenhaus und wenn man sich den Wirkmechanismus von Nervengiften ansieht, wird er, selbst wenn er den Anschlag übersteht, schwer davon gezeichnet bleiben. Nowitschok ist ein Nervengift, das gezielt als chemische Waffe entwickelt wurde, ist selbst unter C-Waffen vergleichsweise hochgiftig und wurde wohl in Russland entwickelt. Das sind noch die vergleichsweise(!) unbestrittenen Fakten.
Aufgrund der unterstellten Motivlage und dem verwendeten Gift, wurde Russland durch Großbritannien für den Anschlag verantwortlich gemacht, das widerum dies bestreitet, es gab wechselseitige Ausweisungen, die inzwischen die halbe westliche Welt betreffen. Auch das ist noch vergleichsweise unumstritten.

2. April 2018

Eine Klarstellung

Aus aktuellem Anlass und bezugnehmend auf einen Artikel in einem anderen Blog diesen Landes, möchte ich für mich, und vielleicht auch stellvertretend für den einen oder anderen Blogger-Kollegen, ein paar Dinge unbedingt klarstellen: 
Der Stern, das in Deutschland bekannte Wochenmagazin, legendär nicht erst seit Veröffentlichung der Hitler-Tagebücher, veröffentlicht grundsätzlich nie irgendwelche, sogenannten Fake-News. Der Stern ist und war immer eine Hochburg des Journalismus: Die erschienenen Artikel wurden und werden seit jeher intensiv geprüft und sind nach allen journalistischen Standards über jeden Zweifel erhaben, ein Born der Qualität in jedweder Beziehung. 

1. April 2018

Tiangong-1. Das Ende des Himmelspalastes

Heute Nacht soll also - zwischen 22 Uhr abends und 5 Uhr am Morgen des Ostermontags - die erste chinesische Raumstation, der "Himmelspalast 1", 天宫一号, mit seinem "Rücksturz zur Erde", nach sechs Jahren und 184 Tagen und 37397 Erdumkreisungen, seine Reise beenden. Oder, um die etwas ungenauere Zeitmarge der chinesischen Raumfahrtbehörde 中国载人航天工程办公室/CSMEO, aus ihrer Meldung von heute morgen (oder sollte man, angesichts der Tatsache, daß die Beijinger Zeit der unseren während der Sommerzeit um sechs Stunden vorauseilt, sagen: von gestern?) zu zitieren:

中国天宫一号空间站回归地球的时间越来越逼近,中国载人航天工程办公室4月1号表示,天宫一号将于2日进入大气层,解体烧毁。但是否如中国官媒形容说,天宫一号等航天器回归时,会化成一身绚烂流星雨,划过美丽星空也是未知数。
中国载人航天工程办公室4月1日在官网表示,当日8时,天宫一号运行在平均高度约167.6公里的轨道上(近地点高度约161.0公里、远地点高度约174.3公里、倾角约42.70度)。预计北京时间2018年4月2日再入大气层。
但到目前为止,对于天宫一号碎片坠落的准确时间和地点都还是迷。

25. März 2018

得不到的愛情 (1948) - Dé bù dào de àiqíng

Torch song!

Zu den Darreichungsarten des "klassischen Jazz" - wobei man im Hinterkopf behalten sollte, daß es bei der populären Musik zwischen sagen wir 1930 und dem Beginn des Rock'n'Roll und seiner Vorläufer zwischen Rhythm 'n' Blues und "Western Swing" ab Anfang der 1950er Jahre oft nicht um Jazz im puristischen Sinn handelt, sondern um das, was man schlicht als Schlager bezeichnen sollte (man vergißt auch, wieviele Klassiker etwa des "Great American Songbook" ihren Usrsrung in den zahllosen, heute längst verschollenen Broadway-Musicals der Zeit haben. "As Time Goes By", ist für Generationen zum akustischen Signum von Casablanca - "you must remember this / a kiss is still a kiss / a sigh is still a sigh / the fundamental things apply / as time goes by" - geworden, seit der Film vor 75 Jahren, am 23. Januar 1943, in den Kinos der Vereinigten Staaten landesweit anlief. Kaum jemanden, außer einigen auf die Zeit spezialisierten Nerds, vulgo "Enthusiasten" dürfte das Musical Everybody's Welcome aus dem Jahr 1931 von Herman Hupfeld geläufig sein, dem der Song entstammt. Auch die beiden Vokaleinspielungen aus jenem Jahr, von Rudy Vallee und Billie Hale aufgenommen, dürften Zuhörern, die nur Sam Dooleys im Film gespielte Version kennen, so verfremdet erscheinen wie deutschen Zuschauern die vom schweizer Fernsehen alljährlich ausgestrahlte Variante eines gewissen neunzigsten Geburtstags einer alten Dame.)



24. März 2018

Ein Silberrücken, ein Bettvorleger oder eine Schmierenkomödie?

­Das politische Berlin ist entsetzt: Horst Seehofer erklärt der Islam gehöre nicht zu Deutschland und das Volk applaudiert. Wie kann er nur? Seit Christian "Hallo, Herr Kaiser" Wulff ist bekanntlich der Islam als fester Teil des politischen Kanons gesetzt, endlose Islamkonferenzen, Staatsverträge und inzwischen auch islamischer Religionsunterricht können davon zeugen. Und Seehofer geht sogar noch ein paar Schritte weiter, er kündigt Abschiebungen an, will den Rechtsstaat wieder durchsetzen und am Ende dafür sorgen, dass der Rechtsbruch von 2015 ein Ende findet.

23. März 2018

Der Zeitgeist wandelt das Judas-Bild

Die 30 Silberstücke (600 Euro) können es nicht gewesen sein. Was trieb einen der zwölf engsten Vertrauten Jesu an, den Meister zu verraten? Vielleicht war es gar kein Verrat, sondern der gescheiterte Plan einer taktischen Hilfe zum öffentlichen Erfolg des wundertätigen Messias: Jesus sollte vom Kreuz heruntersteigen und seine Macht beweisen? Seit Jahrzehnten versuchen Schriftsteller, sich in Judas zu versetzen und den Verleumdeten in einen Vertreter des heutigen Gutmenschen-Menschenschlags zu verwandeln. Jetzt scheint es geglückt, und es ist an der Zeit, diesem Erfolg des Zeitgeistes zu widersprechen.

22. März 2018

Wasser auf die Mühlen der AfD oder Artikel, die wütend machen

Einige Nachrichten haben die Eigenschaft mehr Emotionen auszulösen als "normale" Nachrichten. Das sind gerne Berichte über Unglücke, Unfälle oder Verbrechen, die man sich gerade in seinem persönlichen Umfeld nicht zu erleben wünscht. Manchmal aber ist es nicht das Ereignis selber, das die Emotion auslöst, sondern die Berichterstattung darüber. Ein solcher Artikel ist vorgestern in der online Version der Welt erschienen und er löst bei mir deutliche Emotionen aus. Und zwar Wut. Er ist ein gutes Beispiel dafür was in der Presse schief läuft und ebenso einer der Gründe warum dieses Land in der Situation ist, in der es sich heute befindet.

21. März 2018

"Lieber Herbert Reul." Ein kleiner Brief

...diesmal, anders als bei meinen bisherigen Denkschreiben an Politiker dieses Landes, nicht "unter Freunden", nicht in der zweiten Person Singular, nicht in der Maske des vertrauensvollen Tons. Weder das politische Amt, das Sie bekleiden, noch der Anlaß zu dieser Eingabe, geben dazu Anlaß. Es gibt zudem Dinge, zu denen man sich, seien wir ehrlich, jedes weitere Wort sparen kann. Die eigenen Worte richten den, der sie sagt. Bei Ihnen sind es diese Sätze, die Sie im Interview mit der Nachrichtensendung "heute" des Zweites Deutschen Fernsehens von sich zu geben beliebten, im Zusammenhang mit einem alarmierenden Befund - nämlich der Zunahme der Messerattacken in Deutschland, die mittlerweile jeden Tag in den Medien aufscheinen, wenn auch zumeist nur, wenn dergleichen nicht tödlich verläuft, in den lokalen Berichten. Die SPD, die für das Land Nordrhein-Westfalen eine gesonderte Ausweisung in der amtlichen Kriminalstatistik fordert, hat, um die Notwendigkeit dieser Maßnahme zu unterstreichen, durch den innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Hartmut Ganzke und den stellvertretenden Fraktionschef Thomas Kutschaty sämtliche Messerattacken in NRW der letzten sechs Monate, also seit dem September 2017 aufzählen lassen. Während dieses Zeitraums kam es zu 572 Fällen im größten deutschen Bundesland. Statistisch gemittelt sind dies 3,14 an jedem Tag. Dabei scheinen die Verhältnisse dort noch im unteren Bereich zu liegen. Für Berlin meldete die "Morgenpost" in der vergangenen Woche:  "In Berlin ereignen sich sieben Messerattacken - pro Tag. In Berlin gab es vergangenes Jahr 2737 Angriffe mit Stichwaffen. In 560 Fällen waren die Täter jünger als 21 Jahre." Die Gewerkschaft der Polizei meldete vor fünf Tagen, wieder auf NRW beschränkt, daß im vergangenen Jahr alle 36 Minuten ein Angriff auf einen Polizeibeamten erfolgt ist - eine Steigerung um 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2012: "Im vergangenen Jahr hat es in NRW 7058 Widerstandshandlungen gegen Polizistinnen und Polizisten gegeben. Darauf hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Vorfeld der heutigen Diskussion im Düsseldorfer Innenausschuss aufmerksam gemacht. Bei den Angriffen wurden 14 505 Polizisten attackiert, das ist ein Anstieg um fast 50 Prozent in den vergangenen fünf Jahren." Dort wurde auch darauf hingewiesen, daß es sich dabei gezielt um Angriffe auf Polizeibeamte handelt, nicht um einen Anstieg der allgemeinen Gewaltbereitschaft unter der Gesamtbevölkerung: Während die Gewalt in der Gesellschaft immer mehr zurückgeht, werden die Polizisten immer häufiger angegriffen ... "„Meine Kolleginnen und Kollegen werden getreten, geschlagen, geschubst und mit Gegenständen attackiert, nur weil sie eine Uniform tragen“, sagte GdP-Landesvorsitzender Arnold Plickert." 

16. März 2018

Aus der Schwalbenperspektive (14): Markus Söder und der FC Bayern München

Die Überschrift zu diesem bescheidenen Beitrag erscheint auf den ersten Blick absurd. Denn natürlich ist der neue Ministerpräsident des Freistaats Bayern nicht Fan und Funktionär des FC aus der Landeshauptstadt, sondern - was bei einem gebürtigen Nürnberger durchaus nicht anstößig ist - des "Clubs" aus der Frankenmetropole (siehe dort und dort). Parallelen zwischen dem starken Mann im Amtsgebäude mit der Anschrift Franz-Josef-Strauß-Ring 1 und dem deutschen Rekordmeister liegen freilich nicht so fern, sind doch beide in ihrer jeweiligen Kategorie - wie man es mit einer Verneigung vor Hans Rosenthal formulieren könnte - spitze oder doch jedenfalls an der Spitze.

Aber die Gemeinsamkeiten zwischen dem neuen Regenten über das Gebiet vom Alpenland bis zum Main und dem Abonnenten auf den ersten Platz in der Bundesliga-Tabelle erschöpfen sich nicht in diesen Binsenweisheiten. Vielmehr verdanken beide Akteure ihre hervorgehobene Position zu einem nicht ganz unerheblichen Teil der Schwäche ihrer Mitbewerber.

14. März 2018

Stephen Hawking, 8. Januar 1942 - 14. März 2018

In der vergangenen Nacht ist der wohl, nein: der mit Sicherheit bekannteste Physiker unserer Zeit, Stephen Hawking, zwei Monate nach seinem sechsundsiebzigsten Geburtstag gestorben. Über seine Verdienste kann man allerorten in schemenhafter Andeutung in den Nachrufen der Medien ins Bild gesetzt werden, ohne über seine Theorien und Verdienste eine tiefgreifendere Kenntnis zu erlagen. Um dazu zu gelangen, sollte man schon einige Grundkenntnisse von den Erkenntnissen, die die moderne Kosmologie, die Lehre vom Aufbau des Universums - und der grundlegenden Natur von Raum und Zeit, denen alles, was sich darin befindet, von jedem subatomaren Quark in unserer Kaffeetasse bis zur fernsten Galaxie, unterliegt -  in den letzten hundert Jahren in Erfahrung gebracht hat - mitbringen oder gewillt sein, sie zur Kenntnis zu nehmen. Das ist, das entsprechende Interesse vorausgesetzt, eine durchaus fesselnde und faszinierende Aufgabe, und sie ist auch durchaus für einen Laien, dem zu Beginn einer solchen Odysse der Anblick jeder mathematischen Formel Migräne auslöst, zu bewerkstelligen. Nur handelt es sich hier um eine umfangreiche und komplexe Materie (Kosmologen wissen, daß sich hinter dem Wort "Materie" bereits ein Abgrund auftut: baryonische? Kalte Dunkle Materie? "Fehlende Materie", die "missing mass" kosmologischer Modelle, die für das Universum einen finalen Kollaps postulieren?), und es reicht nicht, sich allein auf Hawkings Postulate zu kaprizieren, womöglich gar noch in der verkürzten Form, die ein zweiminütiger Fernsehbeitrag vermitteln könnte. Ohne eine tour d'horizon dieses gesamten Theoriegebäudes, von den Einstein'schen Relativitätstheorien, der Quantentheorie sowohl in ihrer "klassischen" Kopenhagener Form über die Konkurrenzmodelle, einschließlich der Everett'schen "Viele-Welten-Hypothese" bis hin zu den seit 30 Jahren unentscheidbaren Stringtheorien sensu Edward Witten und Konsorten bleibt das für den Nichteingeweihten ohne Kontext und Einordnungsmöglichkeit. Es ist, das sei gesagt, nicht schwer, sich hier eine erste Orientierung zu verschaffen: nicht schwerer, als sich in die Differenzialrechnung zu knien oder eine etwa Schachpartie "lesen" zu können. Aber es braucht Geduld und ein genuines Interesse.

Kleine Nachlese: Die AfD zerlegt

Nahezu sechs Monate ist es jetzt her, dass die AfD in den Bundestags gewählt wurde, insofern wäre es ja mal Zeit sich anzuschauen, wie sich diese so schlägt. Und liest man die deutsche Presse, so hat sich genau das, was vor den Wahlen lange angekündigt wurde, exakt bestätigt: Die AfD erweist sich als vollkommen unfähig, sie ist mit simpelsten demokratischen Regeln überfordert, sie pöbelt sich rein durch die Gegend und wird, das ist der wirklich augefälligste Punkt, permanent "zerlegt".
Es scheint die neue Losung zu sein: Gibt es einen Streitpunkt im Bundestag, kann man die Uhr danach stellen, wann der Artikel erscheint, der erklärt, welcher Abgeordnete jetzt die letzte AfD Rede wieder zerlegt hat. Jeder kann offenkundig zerlegen: Mal ist es "der jüngste Abgeordnete der CDU" (Philipp Amthor), mal ist es Wolfgang Kubicki, mal ist es Johann Saathoff und in letzter Zeit auch wird auch gerne Cem Özdemir genannt. Alle verstehen sich offenkundig sehr gut aufs Zerlegen und offensichtlich ist die AfD sehr gut darin zerlegt zu werden.

11. März 2018

林文隆 - 友情 / Lin Wenlong, Yǒuqíng ("Freundschaft")



友情!人人都需要友情,不能孤獨走上人生旅程;
要珍惜友情可貴,失去的友情難追。

誠懇相互勉勵,閃耀著友情的光輝;
永遠永遠讓那友情,溫暖你心胸。

友情!人人都需要友情,不能孤獨走上人生旅程;
要緊握熱情雙手,莫讓那友情溜走。

誠懇沒有虛偽,要互相友愛共相守;
永遠永遠讓那友情,常駐在心頭。

10. März 2018

Heiko Maas wird Bundesaußenminister - na und?

Auch wenn es wie ein vorgezogener Aprilscherz klingt, so ist es doch bitterer Ernst: Heiko Maas wird Bundesaußenminister. Von einem Skandal zu sprechen wäre die erste, viszerale Reaktion des endunterfertigten Verfassers auf diese unfrohe Botschaft gewesen. Die zweite, dem Charakter dieses Autors angemessen boshafte Äußerung zu der genannten Personalie hätte die Überlegung sein können, dass ja nicht alle Länder dieser Erde Rechtsstaaten sind und mit dem neuen Herrn des Auswärtigen Amtes vielleicht etwas mehr Einfühlungsvermögen für Regime, die zu Grundfreiheiten und individuellen Rechten ein eher eisiges Verhältnis pflegen, in die Herzkammer der deutschen Diplomatie einzieht.

Da der Urheber dieses Beitrags in den letzten Tagen sehr viel Politikfernes um die Ohren hatte, ist er gleich zu der dritten Stufe der Bewältigung der irrwitzigsten Besetzungsentscheidung im Rahmen des Neuaufgusses der Großen Koalition gelangt, welche Bewältigungsstufe da lautet: Heiko Maas wird also Bundesaußenminister - na und?

8. März 2018

Aus FAZ wird nicht TAZ, aus FAZ wird ZDF

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Die FAZ hat vorgestern beschlossen ihren erfolgreichsten, angestellten Blogger (böse aber ehrliche Zungen würden sagen, den einzigen, der auch gelesen wird), Don Alphonso, im Rahmen einer Neuordnung rauszuwerfen. Die genauen Umstände sind nicht bekannt, die Begründung der FAZ geradezu lächerlich unglaubwürdig, aber auch der Don schweigt, entsprechend kann da eine ganze Reihe von Gründen für verantwortlich sein, nicht zuletzt auch schlicht ein persönliches Zerwürfnis.

Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer

In diesem Thread im kleinen Zimmer wurde in den letzten Tagen ausführlich spekuliert, welche Ursachen die in den letzten Wochen sich akkumulierende Netzzeitabweichung letztendlich hervorgerufen haben, und ich gebe zu, dass ich am Anfang auch ordentlich daneben gelegen habe und den Grund - aufgrund der Kältewelle und der daraus resultierenden Stromknappheit - in Frankreich vermutet. Das war zu einem Zeitpunkt, an dem noch von keiner verantwortlichen Stelle eine Stellungnahme ergangen war, und trotz der selbst für aufmerksame Beobachter der europäischen Elektrizitätswirtschaft enormen Komplexität habe ich mich ein wenig aus dem Fenster gelehnt, natürlich mit Irrtumsvorbehalt.

Dann kam die Stellungnahme der ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators - Electricity), die die Ursache eindeutig einer politisch bedingten Unregelmäßigkeit auf dem Balkan zuordnet, konkret in Bezug auf Serbien und das Kosovo. Ich habe aufgrund der seit längerem bekannten Versorgungsprobleme im Kosovo und der in letzter Zeit wieder verschärften Haltung Belgrads eine Vermutung angestellt, die in einem Artikel der ZEIT geteilt wird: "Im Kosovo fließt zu wenig Strom in das Netz ein, Serbien könnte und müsste das ausgleichen – tut es aber nicht. Die beiden streiten um die Kosten und die Bezahlung".

Diese Fakten sind seit Dienstag um ca. 15:00 (bzw. 14:54 auf einer frequenzgesteuerten Uhr) öffentlich bekannt, sie sind stimmig und mit einem Mindestmaß an Hintergrundwissen bezüglich Stromversorgung nachvollziehbar. Um so fragwürdiger ist daraufhin ein Artikel auf Tichys Einblick, der diese Begründung - entsprechend der Erwartung ihrer Leser - rundheraus bestreitet. Neben einem weitgehend faktentreuen Artikel von Dunkelflautenautor Hennig schäumt der zu diesem Thema einschlägig verortbare Holger Douglas geradezu vor Wut.

7. März 2018

Nordkorea - Zeichen einer Kehrtwende?

Das Fragezeichen im Titel bezieht sich, da sei vorausgeschickt, allein auf das Thema der Abrüstung der nordkoreanischen Atomwaffen, der Einhegung des Nulearwaffenprogramms, und, wenn wir Glück haben und es die Parzen, die den Schicksalfaden weben, gut meinen, auf den Verzicht der Drohkulisse gegenüber dem südlichen Nachbarn. Beim Thema des Endes der Einparteien- nein: Einpersonen-Diktatur, bei der strikten Ausrichtung an der drakonischen Tyrannei der Juche-Ideologie, könnte es umstandslos wegfallen. Daran wird sich, aller Voraussicht nach, in den nächsten Jahren, womöglich Jahrzehnten, nichts ändern. Aber was die friedliche (Auf)-Lösung der Konfrontation, der Drohkulisse, die ja nicht erst seit der Eskalation im letzten Jahr besteht, die seit Jahrzehnten unverändert anhält, so gibt es, wenn ich denn die Zeichen richtig lese, Grund zum Aufatmen. Natürlich ist dies, in sehr hohem Maße, Kaffeesatzleserei - das, was zu den Herrschaftszeiten Stalins und Chruschtschows als "Kremlastrologie" bekant war: der Versuch, aus dem wenigen, was man als halbwegs gesichert in Erfahrung bringen konnte, in Kombination mit sichtbaren Anzeichen wie etwa der Positionierung als wichtig eingeschätzter Funktionäre des Systems bei den jährlichen Waffenparaden auf dem Roten Platz, Aufschlüsse über Machtkämpfe an der Parteispitze, über die Verschärfung des Wettrüsten und ähnliche auszukultieren. Niemand weiß, welche Überlegungen, Strategien in der Führung in Pyöngyang den Ausschlag geben, welches Risiko man um der starren ideologischen Entschlossenheit halber einzugehen bereit ist. In den neunziger Jahren, nach dem Tod des "großen Führers" Kim Il-sung 1994, hat sich das Land von der durch die Kommando(miß)wirtschaft ausgelösten Hungersnot nicht in seinem strikten Isolationismus beirren lassen. (Die Schätzwerte über die Anzahl der Opfer dieser "schwerer Marsch", 고난의 행군, genannten Katastrophe zwischen 1994 und 1998 gehen weit auseinander: sie reichen von einer Viertelmillion bis 3,5 Millionen. Das United States Census Bureau hat in einem Untersuchungbericht 2011 die wahrscheinliche Anzahl der Todesopfer auf eine halbe Million taxiert.)

4. März 2018

美黛 (1939年2月23日-2018年1月29日). Mai Dai (23. Febr. 1939 - 29. Jan. 2018)



不知道是早晨 不知道是黃昏
看不到天上的雲 見不到街邊的燈
黑凄凄陰沉沉 你讓我在這裡痴痴的等

想的是你的愛 想的是你的吻
流不盡相思的淚 熬不完離別的恨
夢悠悠昏沉沉 你讓我在這裡痴痴的等

也曾聽到走近的足聲 撩起我多少興奮
也曾低呼你的名字 盼著你向我飛奔

看清楚掠過的影子 才知道是一個陌生的人
會不會你再來 要不要我再等
一遍遍我自己想 一聲聲我自己問
恨也深 愛也深 我還是在這裡痴痴的等

- 痴痴的等 - chī chī de děng ("Weiter und immer weiter") (1963)

Weiß nicht, ob es Morgen ist oder ob die Nacht fällt.
Sehe nicht die Wolken am Himmel, nicht die Straßenlampen.
Du hast mich hier in einer Finsternis gelassen, die kein Ende nimmt.

Denke an deine Liebe, denke an deine Küsse
Die Sehnsucht schnürt mir das Herz ab und läßt mich dich nicht hassen.
Ganz langsam verblaßt dieser lange Traum - und doch geht er weiter und weiter.

Ich höre, wie sich Schritte nähern.
Du weißt nicht, wie das mein Herz hebt.
Ich flüstere deinen Namen...
Ich hoffe, du läufst, läufst zu mir.

Ich sehe den Schatten vorbeigehen - 
und ich weiß: ich kenne ihn nicht.
Ob du kommst oder nicht: ich werde warten
Wieder und wieder denke ich, daß ich mich fragen sollte:
Ist das tiefer Haß? Ist das tiefe Liebe?
Und doch geht es immer so fort.